Vaginale Infekte
Häufige Ursachen:
- Pilzinfekt (Candida) — weisser, krümeliger Ausfluss, Juckreiz; topisches Antimykotikum
- Bakterielle Vaginose — fischig riechender, dünnflüssiger Ausfluss; diagnosegerechte antimikrobielle Therapie
- Trichomonaden — gelber, schaumiger Ausfluss; gezielte antibiotische Therapie nach Erreger
Mikroskopie und Test direkt in der Praxis — gezielte Therapie statt Probieren.
Sexuell übertragbare Infektionen (STI)
- Chlamydien — Nachweis mit Nukleinsäuretest (NAAT/PCR), je nach Exposition beispielsweise aus Vaginalabstrich oder Erststrahlurin. In der Schweiz wird keine pauschale Testung aller asymptomatischen Frauen empfohlen; getestet wird passend zu Beschwerden, Exposition und individueller Risikosituation.
- Gonorrhoe — gezielte Diagnostik an den exponierten Körperstellen; Antibiotikawahl, Kontrolltest und Partnermanagement richten sich nach Befund und aktueller Resistenzlage.
- Mycoplasma genitalium — eine eigenständige STI. Ein Test kommt vor allem bei passenden Beschwerden oder Befunden infrage, etwa Zervizitis, Zwischen-/Kontaktblutung, ungeklärter Dysurie, akuten Beckenschmerzen/PID, oder bei einer aktuellen Sexualpartnerin beziehungsweise einem aktuellen Sexualpartner einer betroffenen Person. Bei positivem Nachweis soll die Therapie resistenzorientiert geplant werden; ein breites Screening Beschwerdefreier wird nicht empfohlen.
- Mycoplasma hominis und Ureaplasmen — U. parvum und U. urealyticum werden häufig als Besiedlung gefunden. Eine routinemässige Testung oder Behandlung wird weder bei beschwerdefreien noch pauschal bei symptomatischen Frauen empfohlen. Zuerst sollen etablierte STI und bei vaginalen Beschwerden insbesondere eine bakterielle Vaginose abgeklärt werden.
- Syphilis, HIV, Hepatitis B/C — Bluttest, Kooperation mit Infektiologie
- Genitalherpes — antivirale Therapie, Schubprophylaxe bei häufigen Rezidiven
HPV – das Wichtigste & Impfung
Humanes Papillomavirus ist die häufigste sexuell übertragbare Infektion. Hochrisiko-Typen (v.a. HPV 16/18) können Gebärmutterhalskrebs sowie Karzinome an Vulva, Vagina und Anus verursachen. Niedrigrisiko-Typen (v.a. HPV 6/11) verursachen Genitalwarzen (Condylome).
Zervixkarzinom-Screening: Bei unauffälligem Vorbefund empfiehlt die SGGG von 21 bis 29 Jahren eine Zytologie (Pap-Abstrich) alle drei Jahre. Von 30 bis 70 Jahren sind entweder Zytologie oder ein primäres Hochrisiko-HPV-Screening im Dreijahresintervall mögliche Strategien. Eine routinemässige gleichzeitige Co-Testung aus Pap und HPV wird nicht empfohlen. Nach auffälligen Vorbefunden, Behandlung einer Dysplasie oder bei besonderem Risiko gelten individuelle Intervalle und Abklärungspfade, gegebenenfalls mit Kolposkopie.
Kosten: Die Grundversicherung vergütet die gynäkologische Vorsorge inklusive Pap bei normalen Befunden in den gesetzlichen Intervallen. Der HPV-Nachweis beim primären Zervix-Screening ist derzeit von der OKP-Kostenübernahme ausgenommen und daher in der Regel selbst zu bezahlen. Wir klären Methode und voraussichtliche Kosten vor dem Test.
HPV-Impfung
- Basisimpfung: für alle Jugendlichen im Alter von 11–14 Jahren, möglichst vor Beginn der sexuellen Aktivität
- Nachholen: Basisimpfung bis zum 20. Geburtstag; ergänzend für ungeimpfte Personen von 20–26 Jahren, wenn die erste Dosis vor dem 27. Geburtstag erfolgt
- Schema: zwei Dosen im Abstand von sechs Monaten, wenn die erste Dosis vor dem 15. Geburtstag erfolgt und keine Immunschwäche besteht; sonst drei Dosen zu 0, 2 und 6 Monaten
- Der 9-valente HPV-Impfstoff ist kein Lebendimpfstoff. Eine bereits bestehende HPV-Infektion wird durch die Impfung nicht behandelt, und die Impfung ersetzt das Zervixkarzinom-Screening nicht.
Empfohlene Impfungen für Frauen (allgemein)
- Diphtherie/Tetanus (dT) — bei vollständiger Grundimmunisierung von 25–64 Jahren grundsätzlich alle 20 Jahre, ab 65 Jahren alle 10 Jahre. Bei Immundefizienz und bestimmten Expositionssituationen können kürzere Intervalle gelten.
- Pertussis — eine dTpa-Dosis mit 25 Jahren; zusätzlich in jeder Schwangerschaft und bei regelmässigem Kontakt zu Säuglingen unter sechs Monaten, wenn die letzte Pertussis-Dosis mindestens zehn Jahre zurückliegt
- MMR (Masern, Mumps, Röteln) — fehlende Dosen bei nach 1963 geborenen Personen bis insgesamt zwei dokumentierte Dosen nachholen. Lebendimpfstoff: vor einer Schwangerschaft vervollständigen, nicht während der Schwangerschaft.
- Varizellen — bei Personen unter 40 Jahren ohne durchgemachte Erkrankung und ohne zwei dokumentierte Dosen nachholen. Ebenfalls Lebendimpfstoff und vor einer Schwangerschaft zu vervollständigen.
- Hepatitis B — Basisimpfung bevorzugt im Säuglingsalter und Nachholen bei ungeimpften Jugendlichen unter 16 Jahren; bei Erwachsenen altersunabhängig bei erhöhtem Expositions-, Übertragungs- oder Komplikationsrisiko
- Influenza (Grippe) — jährlich für Schwangere sowie weitere im Impfplan definierte Risiko- und Altersgruppen, vorzugsweise zwischen Mitte Oktober und Beginn der Grippewelle
Lebendimpfstoffe (MMR, Varizellen) sind in der Schwangerschaft in der Regel nicht angezeigt. Impfstatus idealerweise vor einer Schwangerschaft klären.
Impfungen in der Schwangerschaft
- Pertussis (Keuchhusten) — eine dTpa-Dosis in jeder Schwangerschaft, unabhängig von der letzten Impfung oder Erkrankung; idealerweise in SSW 13–26. Eine Nachholimpfung im 3. Trimenon bis zwei Wochen vor der Geburt kann dem Neugeborenen noch einen hohen passiven Schutz vermitteln.
- Influenza — saisonal im 1., 2. oder 3. Trimenon; sie muss nicht bis zum zweiten Trimenon aufgeschoben werden
- COVID-19 — gemäss Schweizerischem Impfplan im 2. oder 3. Trimenon; Saison, aktueller Impfstatus und individuelle Risikofaktoren werden berücksichtigt
RSV-Schutz für das Neugeborene
Für RSV existieren in der Schweiz zwei Schutzmöglichkeiten für Neugeborene:
- Mütterliche Impfung — eine Dosis zwischen 32+0 und 36+0 SSW, möglichst mindestens fünf Wochen vor dem Termin, wenn der errechnete Geburtstermin von Anfang Oktober bis Ende März liegt. Nach einer RSV-Impfung in einer früheren Schwangerschaft wird sie derzeit nicht wiederholt.
- Passive Immunisierung des Säuglings — ein langwirkender monoklonaler RSV-Antikörper; Zeitpunkt und Indikation richten sich nach Geburtsmonat, mütterlicher Impfung und besonderen Risiken.
In der Regel wird eine Methode gewählt; die Kombination beider ist normalerweise nicht nötig. Wir beraten, was für Sie sinnvoll ist.
Kosten: Die maternale RSV-Impfung wird bei erfüllter KLV-Indikation von der Grundversicherung ohne Franchise übernommen; der Selbstbehalt von 10 % bleibt.
Hygiene-Basics (CMV & Toxoplasmose)
CMV und Toxoplasmose sind in der Schwangerschaft besonders relevant, da sie das ungeborene Kind schädigen können. Schutz durch einfache Hygienemassnahmen:
- Regelmässiges Händewaschen, insbesondere nach Kontakt mit Windeln oder Körperflüssigkeiten kleiner Kinder
- Kein gemeinsames Besteck oder Becher mit Kleinkindern
- Fleisch gut durchgaren; Gemüse und Salat gründlich waschen
- Vorsicht bei Rohmilchprodukten (Listeriose-Risiko)
Screening-Überblick
- Zervixkarzinom — von 21–29 Jahren Zytologie alle drei Jahre; von 30–70 Jahren Zytologie oder primärer Hochrisiko-HPV-Test alle drei Jahre. Keine routinemässige Co-Testung; bei Vorbefunden oder erhöhtem Risiko individueller Plan.
- Chlamydien in der Schwangerschaft — keine systematische Testung aller beschwerdefreien Schwangeren; Test nach Sexualanamnese, Exposition, Beschwerden oder individueller Risikosituation
- HIV und Syphilis — das BAG empfiehlt, Tests systematisch allen Schwangeren anzubieten
- Hepatitis B — HBsAg in jeder Schwangerschaft; Ausnahme bei bereits zuverlässig dokumentierter Immunität nach Impfung oder durchgemachter Infektion gemäss Impfplan
- Röteln, Masern und Varizellen — zuerst Impfdokumentation prüfen. Spezifische IgG-Serologie nur bei nicht geimpften Schwangeren; bei dokumentierter Impfung keine pauschale Wiederholung der Serologie.
Wann sofort melden?
- Fieber > 38,0 °C in der Schwangerschaft (insbesondere mit Schüttelfrost)
- Starke Unterbauchschmerzen, Blutungen oder Flüssigkeitsabgang
- Reduzierte Kindsbewegungen (ab spürbaren Kindsbewegungen)
- Atemnot, Brustschmerzen, starke Kopfschmerzen oder Sehstörungen
- Zeichen von Dehydratation (kaum Urin, Schwindel, Kreislaufprobleme)
- Nach Kontakt mit bestimmten Infektionen (z.B. Ringelröteln / Parvovirus B19) — bitte rasch melden
Quellen
- BAG/EKIF – Schweizerischer Impfplan 2026 (korrigierte Fassung vom 16. April 2026)
- BAG – Kostenübernahme bei prophylaktischen Impfungen (KLV-Stand 1. Juli 2026)
- BAG – Humane Papillomaviren (HPV)
- SGGG – Expertenbrief Nr. 50: Gebärmutterhalskrebsvorsorge
- Fedlex – Art. 12e KLV: Früherkennung in der allgemeinen Bevölkerung
- BAG – Sexuell übertragene Infektionen mit Chlamydia trachomatis
- BAG – Testung und Beratung von HIV und anderen STI
- IUSTI – European guideline on Mycoplasma genitalium und IUSTI-Positionspapier zu M. hominis und Ureaplasmen
Stand: 11. Juli 2026 · Diese Hinweise ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.
