Was ist CHC?
CHC = Combined Hormonal Contraception — Pille (Östrogen + Gestagen), Vaginalring, Hormonpflaster. Hocheffektiv, aber mit erhöhtem Thrombose-Risiko gegenüber hormonfreien Methoden.
WHO MEC-Kategorien
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert die Eignung einer Verhütungsmethode in vier Kategorien:
- 1 – keine Einschränkung
- 2 – Vorteile überwiegen im Allgemeinen die Risiken
- 3 – Risiken überwiegen im Allgemeinen; nur erwägen, wenn besser geeignete Methoden nicht verfügbar oder nicht akzeptabel sind und eine sorgfältige fachärztliche Beurteilung möglich ist
- 4 – nicht anwenden, weil ein inakzeptables Gesundheitsrisiko besteht
Die Einstufung kann sich beim Neu-Beginn (N) und beim Fortführen (F) unterscheiden. Die folgende Tabelle gilt für kombinierte Pille, Pflaster und Vaginalring nach WHO MEC, 6. Auflage (2025); sie ist keine Selbstdiagnose.
Vollständige Übersicht der WHO-MEC-3/4-Situationen für CHC
| Situation | WHO MEC | Einordnung |
|---|---|---|
| Stillen < 6 Wochen nach Geburt | 4 | CHC nicht anwenden |
| Überwiegendes Stillen 6 Wochen bis < 6 Monate nach Geburt | 3 | Im Allgemeinen nicht anwenden |
| Nicht stillend, < 21 Tage nach Geburt | 3 ohne zusätzliche VTE-Risiken; 4 mit zusätzlichen VTE-Risiken | VTE-Risiken sind z.B. frühere VTE, Thrombophilie, Immobilität, Transfusion bei Geburt, BMI ≥ 30, postpartale Blutung, Präeklampsie oder Rauchen |
| Nicht stillend, 21–42 Tage nach Geburt | 3 mit zusätzlichen VTE-Risiken | Ohne zusätzliche VTE-Risiken MEC 2; nach 42 Tagen MEC 1 |
| Rauchen ab 35 Jahren | 3 bei < 15 Zigaretten/Tag; 4 bei ≥ 15/Tag | Rauchmenge und Alter müssen zusammen beurteilt werden |
| Mehrere grosse Risikofaktoren für arterielle Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. höheres Alter, Rauchen, Diabetes, Hypertonie, bekannte Dyslipidämie) | 3/4 | Je nach Art, Zahl und Schwere |
| Bluthochdruck: Anamnese, aktuell nicht messbar; ausreichend behandelt; oder 140–159/90–99 mmHg | 3 | Eine einzelne Messung genügt nicht zur Diagnose |
| Blutdruck ≥ 160 systolisch oder ≥ 100 diastolisch; oder Gefässerkrankung | 4 | CHC nicht anwenden |
| Aktuelle oder frühere tiefe Venenthrombose/Lungenembolie, auch unter etablierter Antikoagulation | 4 | Eine Familienanamnese allein ist dagegen MEC 2 |
| Bekannte thrombophile Mutation (z.B. Faktor-V-Leiden, Prothrombinmutation, Protein-S-, Protein-C- oder Antithrombin-Mangel) | 4 | CHC nicht anwenden |
| Grössere Operation mit längerer Immobilisation | 4 | Ohne längere Immobilisation MEC 2 |
| Aktuelle oder frühere ischämische Herzkrankheit; früherer Schlaganfall | 4 | CHC nicht anwenden |
| Komplizierte Herzklappenerkrankung (pulmonale Hypertonie, Vorhofflimmer-Risiko oder Endokarditis-Anamnese) | 4 | Unkomplizierte Klappenerkrankung ist MEC 2 |
| Systemischer Lupus erythematodes mit positiven oder unbekannten Antiphospholipid-Antikörpern | 4 | CHC nicht anwenden |
| Migräne mit Aura, in jedem Alter | 4 | CHC nicht anwenden |
| Migräne ohne Aura, Alter < 35 Jahre | N 2 / F 3 | Neu auftretende oder deutlich veränderte Kopfschmerzen müssen abgeklärt werden |
| Migräne ohne Aura, Alter ≥ 35 Jahre | N 3 / F 4 | Nicht neu beginnen; Fortführung nicht empfohlen |
| Aktueller Brustkrebs | 4 | Früherer Brustkrebs ohne Erkrankungszeichen seit mindestens 5 Jahren: MEC 3 |
| Diabetes mit Nephropathie, Retinopathie, Neuropathie, anderer Gefässerkrankung oder seit > 20 Jahren | 3/4 | Je nach Schwere der Erkrankung |
| Aktuelle oder medikamentös behandelte symptomatische Gallenblasenerkrankung | 3 | Nach Cholezystektomie MEC 2 |
| Frühere durch kombinierte Pille verursachte Cholestase | 3 | Schwangerschaftsbedingte Cholestase allein ist MEC 2 |
| Akute Virushepatitis oder Schub | N 3/4 / F 2 | Beim Neubeginn abhängig von der Schwere; keine pauschale MEC-4-Einstufung |
| Schwere dekompensierte Leberzirrhose; hepatozelluläres Adenom; bösartiger Lebertumor | 4 | CHC nicht anwenden |
| Bestimmte Antiepileptika (Phenytoin, Carbamazepin, Barbiturate, Primidon, Topiramat, Oxcarbazepin), Lamotrigin oder Rifampicin/Rifabutin | 3 | Relevante Wechselwirkungen bzw. verminderte Wirksamkeit; Medikament und Methode individuell prüfen |
N = Neu-Beginn, F = Fortführen. Eine Kategorie 3/4 erfordert eine individuelle Zuordnung; sie bedeutet nicht „irgendwo zwischen 3 und 4“ ohne weitere Beurteilung.
Häufig missverstandene Risiken
- Thrombose/Lungenembolie nur bei Verwandten 1. Grades: MEC 2
- Adipositas ab BMI 30 als alleiniger Faktor: MEC 2 — auch BMI ≥ 35 wird von WHO nicht pauschal als MEC 3 eingestuft
- Grössere Operation ohne längere Immobilisation: MEC 2; kleiner Eingriff ohne Immobilisation: MEC 1
- Oberflächliche Venenthrombose: MEC 2; Varizen: MEC 1
- Stillen ab 6 Monaten nach Geburt: MEC 2
- Alter ≥ 40 Jahre als alleiniger Faktor: MEC 2
Mehrere einzeln niedrige Risiken können gemeinsam eine ungünstigere Gesamtbeurteilung ergeben. Deshalb gehören Blutdruckmessung, Eigen- und Familienanamnese sowie die vollständige Medikamentenliste zur Verordnung.
Warnzeichen unter laufender CHC — der richtige Notfallweg
- plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Bluthusten oder Kollaps
- plötzliche einseitige Schwäche/Lähmung, hängender Mundwinkel, Sprach- oder Verständnisstörung
- plötzlicher Sehverlust oder neue schwere neurologische Symptome
- plötzlich einsetzender, ungewohnt stärkster Kopfschmerz, besonders mit neurologischen Ausfällen
- plötzlicher sehr starker Bauchschmerz, besonders mit Kreislaufproblemen oder Ohnmacht
Ein neu schmerzhaft geschwollenes einseitiges Bein braucht noch am selben Tag eine medizinische Beurteilung. Bei zusätzlicher Atemnot, Brustschmerz oder Kreislaufproblemen: 144. Sonst während der Öffnungszeiten die Praxis 044 525 20 60 anrufen; ausserhalb der Öffnungszeiten im Kanton Zürich das Ärztefon 0800 33 66 55 (24/7).
Checkliste (freiwillig)
Diese Zusammenfassung basiert auf WHO MEC 6 und der SGGG-Checkliste und dient der Vorbereitung auf ein Erst- oder Neurezept. Sie ersetzt keine individuelle ärztliche Beurteilung.
Bitte teilen Sie uns mit, falls etwas zutrifft:
- Rauchen (insbesondere ab 35 Jahren)
- Migräne (insbesondere mit Aura) oder neue starke Kopfschmerzen
- Bluthochdruck oder Blutdruckmedikamente
- Thrombose oder Lungenembolie in der eigenen Vorgeschichte oder bei nahen Angehörigen
- Bekannte Gerinnungsstörung
- Geplante grössere Operation oder längere Immobilisation (z. B. Gips, Bettlägerigkeit)
- Diabetes, stark erhöhte Blutfette, Gallenblasen- oder Lebererkrankung
- Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Schlaganfall, komplizierte Herzklappenerkrankung oder Lupus
- Stillzeit oder kürzlich stattgefundene Schwangerschaft/Geburt (bitte Zeitpunkt nennen)
- Medikamente oder Präparate, die die Wirkung beeinflussen können (z. B. bestimmte Antiepileptika, Johanniskraut)
Tipp: Falls Sie unsicher sind, ob etwas relevant ist, markieren Sie es — wir klären das im Gespräch.
Vor dem Termin
Bringen Sie bitte mit oder denken Sie sich durch:
- Aktuelle Medikamentenliste (auch pflanzliche Präparate, Johanniskraut)
- Familienanamnese: Thrombose, Lungenembolie, Brustkrebs, Schlaganfall, Herzinfarkt vor 50
- Eigene Vorerkrankungen, frühere Operationen
- Aktueller Blutdruck (in Apotheke messbar)
- BMI (Gewicht / Grösse) ungefähr
- Migräne ja/nein, mit/ohne Aura
- Rauchstatus
- Datum der letzten Menstruation / Zykluslänge (falls bekannt)
- Fragen oder Wünsche zur Zyklussteuerung und zu Alternativen (IUP, Implantat, Ring, Pflaster)
Quellen
- WHO — Medical eligibility criteria for contraceptive use, 6. Auflage (2025)
- WHO MEC 6 — vollständige Zusammenfassungstabelle
- SGGG — Checkliste CHC für Erst-/Neuverschreibung
- Kanton Zürich — Notfall & Rettung
Stand: Juli 2026 · Diese Hinweise ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.
